Listening Closely, Reading

…turning twenty-eight

Zack! Nun ist es passiert: Das erste Jahr von twenty7thirtytwo ist rum – und ich bin währenddessen 28 Jahre alt geworden.

28 ist nicht so glamourös wie 27. Aber ich hab die Tür zum „Club 27“ einfach nicht gefunden. Auch ganz schön. Denn jetzt, wo man in den Laden nicht reingekommen ist, kann man locker bis zum 90. Geburtstag weitermachen. Nicht wahr, Mister Winterbottom?

Ein Jahr twenty7thirtytwo könnte ich zum Anlass nehmen, Rückschau zu halten. Aber ich gucke lieber nach vorn als zurück. Und so hab ich für den Blog einige Ideen und Wünsche, was ich im neuen Lebensjahr anstellen könnte…

DSCF9617Lesetagebuch

Seit ich fünfzehn bin, schreibe ich auf, was ich lese und was ich von diesem Gelesenen halte. Als Jugendliche war ich mit dieser Buchführung der Bücher sehr ordentlich. In ein Moleskine notierte ich sorgfältig den Monat, in dem ich das Buch beendet habe, Autor und Titel. Meist auch, wie ich auf das Buch aufmerksam geworden war, wo ich es gekauft oder von wem ich es geschenkt bekommen hatte. Auch im Studium noch. Aus diesem Buch heraus entstand der Gedanke, Leseeindrücke online zu stellen – also das, was ihr heute unter „READING“ findet.

Letzte Woche blätterte ich in meinem Lesetagebuch von 2011. Ich war auf der Suche nach meinen Notizen zu Eduard von Keyserlings Roman „Wellen“, die ich auch fand und in denen ich genau niedergelegt hatte, was mich an Doralice, der Protagonistin des Romans faszinierte, was störte, und dass ich sie für eine Vorbotin einer kommenden Zeit hielt. Dann blätterte ich ins Jahr 2017. Und war bestürzt. Gähnende Leere seit Juli. Dabei hatte ich doch so viel gelesen. Mehr als Notizen in den Büchern und Posts auf Instagram waren aber nicht davon geblieben.

Anfang des Jahres hatte ich eifrig mit meinen monatlichen Lesebilanzen begonnen, hatte Riesenspaß dabei, mich schreibend zu erinnern – und bin dann irgendwann abgedriftet. Das soll wieder anders werden. Am besten schon im November.

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Leseliste: 28 Jahre, 28 Bücher?

Bislang ist es nur eine Idee, aber ich fänd’ es witzig, dieses Jahr achtundzwanzig vorher festgelegte Bücher zu lesen. Ohne die Bücher, die ich für meine Arbeit lese, versteht sich. 28, das würde ungefähr der Zahl der Bücher entsprechen, die ich seit November 2016 gelesen habe. Es reizt mich, mir zu überlegen, was gut in dieses Lebensalter, die Stimmung oder die aktuelle weltpolitische Lage passen würde und diese Gedanken kurz zu notieren. Auch, weil ich mich im Zweifelsfall eh’ nicht an solche Listen halte – und wild draufloslese. Aber es könnte spannend sein, die Liste in einem Jahr wieder hervorzuholen du zu sehen, was man wirklich gelesen hat – und was verworfen. Wie sich die Bücher entpuppt haben. Ob ich mit bestimmten Einschätzungen komplett daneben lag.

Wenn ich mich jetzt für 28 Bücher im kommenden Jahr entscheiden müsste, wären darunter derzeit:

  • Zeruya Shalev, Schmerz (2015), weil ich Shalevs Sprache kennenlernen will und Lust auf Seele, Gefühle und Politik habe.
  • Florian Illies, Gerade war der Himmeln noch blau (2017), weil ich Illies Art, Bildung mit Humor und Ernst zu verbinden, sehr ungewöhnlich und sehr gut finde und weil ich es geschenkt bekommen habe – und wenig Ahnung von Kunstgeschichte habe.
  • Juli Zeh, Leere Herzen (2017), weil ich herausfinden will, ob es sich als Vortragsgegenstand für einen Workshop zu „Recht und Literatur in der Krise“ eignet.
  • Alice Munro, Zu viel Glück (2009), weil ich mich an ihr in der Kunst der Kurzgeschichte schulen, und in die kanadische Provinz zurückkehren will und in den Zauber des „every-day-life“.
  • Philipp Blom, Die zerrissenen Jahre: 1918-1938 (2015), weil ich den ersten Teil als die Crème de la crème des packenden Sachbuchs verbucht habe (großes Vorbild!), den zweiten Teil schon angefangen habe und dann irgendwie davon abgekommen bin.
  • Bruno Schulz, Die Zimtläden (1934), weil es in berauschenden Bildern von einer versunkenen Welt erzählen soll, wie ich in einem sehr guten, sehr bündigen Beitrag über Bruno Schulz’ Ermordung durch einen SS-Mann im Deutschlandfunk gehört habe (http://www.deutschlandfunk.de/vor-75-jahren-die-ermordung-des-schriftstellers-bruno-schulz.871.de.html?dram:article_id=400984)

So, das wäre es erst mal. Macht ziemlich Spaß, sich das zu überlegen. Ich hatte auch mal den Hau, immer Bücher zu lesen, in denen der Protagonist genau so alt war wie ich. Zu 28 fällt mir spontan nur „Mutmaßungen über Jakob“ von Uwe Johnson ein. Das könnte auch auf die Liste.

  • Uwe Johnson, Mutmaßungen über Jakob (1959), Begründung s.o.

Kennt ihr noch weitere 28-Jährige Hauptfiguren? Dann schreibt mir unbedingt. Ich werde sammeln.

Und dann lesen wir uns hoffentlich schon Ende November wieder im Artikel “Reading in November”.

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Im Zettelwald: Die Grimmwelt in Kassel.

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Kassel ist bergig. Ich bewege mich durch die Stadt, in der in diesem Sommer die Documenta stattfindet, an “Tag Zwei” nicht mehr mit Sieben-Meilen-Stiefeln, sondern mit leicht vorgebeugtem Oberkörper und schweren Schritten. Nun muss ich auch noch einen richtigen Berg erklimmen, puh. Ich stapfe den Kassler Weinberg hinauf, überlege dabei, ob es nicht Kasselaner oder Kasseläner Weinberg heißen sollte, weil mir eine nette Kasslerin das eben in der Schlange vor der Neuen Galerie so gut erklärt hat, und während ich noch überlege, habe ich die letzten Meter genommen und stehe am Rande des Märchenwaldes: vor der Grimmwelt Kassel.

Die Grimmwelt gehört eigentlich nicht zur Documenta. Ja, einen Documenta-Raum hat sie auch bekommen, doch sie steht dauerhaft hier, weil die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm in Kassel zur Schule gingen und nach dem Studium zurück nach Kassel zogen und hier ihre Märchen sammelten.

Im Eingangsbereich der Grimmwelt ist die Kasse und „Fallada“, das Museumscafé. Wer in die Ausstellung will, wird nach dem Kartenkauf (Preis: 8 €, ermäßigt 6 € ) in die „Unterwelt“ geschickt. Ein abgedunkelter Gang, gesäumt von Leuchtbuchstaben beginnt hier. Von „Zettel“ bis, pardon, „Ärschlein“ wird man anhand der Buchstaben geführt. Der Rundgang durch die Grimmwelt ist in drei (natürlich, eine magische Zahl!) Teile geteilt. Nacheinander lernt man die Arbeit der Brüder Grimm, die Welt der Märchen und zuletzt das Grimm’sche Privatleben besser kennen.

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Am meisten fasziniert hat mich der erste Teil der Ausstellung zur deutsche Sprache und der Forschung der Brüder Grimm an ihrem Deutschen Wörterbuch. Bis zum Tod der Brüder in den Jahren 1859 und 1863 kamen sie nur bis zum Buchstaben F, erst hundert Jahre später wurde es fertiggestellt. Das Projekt war ein gigantisches, die Grimms hatten es wahrscheinlich selbst unterschätzt: Sie wollten alle Wörter der Deutschen Sprache und ihren Gebrauch seit der Lutherzeit aufnehmen. Was dazu führte, dass allein das Lemma „Zettel“ 1119 Belegzettel erhielt. Alles, was irgendeinen Bezug zum „Zettel“ hatte, wurde notiert – natürlich auf Zettel. Luhmann lässt grüßen. In diesem Teil der Ausstellung verbringe ich am längsten, das wissenschaftliche Arbeiten der Brüder, ihre Sammelwut und Sammelleidenschaft, ist mir, die an ihrer Doktorarbeit schreibt, im Moment am nächsten.

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Wunderschön sind die 14 Dioramen, die Szenen aus der Entstehungsgeschichte des Grimm’schen Wörterbuchs zeigen und in der schummrigen Atmosphäre des Museums herrlich leuchten. Dioramen waren im 19. Jahrhundert eine beliebte Ausstellungstechnik. Im Grunde sind es Aquarien ohne Wasser, in denen Landschaften nachgestellt werden. Vielleicht kennt ihr sie aus älteren naturhistorischen Museen, wo sie „den Winterwald“ oder „Am Strand“ zeigen: Schaukästen, die ausgestopfte Tieren in ihren natürlichen Lebensräumen zeigen, und Gegenstände und Hintergründe so geschickt anordnen, dass der Eindruck räumlicher Tiefe erzeugt wird – obwohl die sich ausdehnenden Landschaften nur gemalt sind. Als Kind fand ich die Landschaften mit Kunstschnee und Tannennadeln aus Sägespänen zauberhaft – heute bin ich besonders verliebt die weißen Dioramen von Alexej Tchernyi aus Papier, die ich in Kassel sofort wiedererkannt habe: In Schöningen, dort wo man im Paläon die etwa 300.000 Jahre alten Speere bestaunen kann, gibt es Tchernyis Arbeiten ebenso zu sehen wie in der Grimmwelt. Sie zeigen Szenen aus der Entstehungsgeschichte des Grimm’schen Wörterbuchs, z.B. den Weggang der Brüder aus Göttingen (oben). Dort waren sie zuvor Professoren gewesen und als sie sich dem Verfassungsbruch des Hannoveraner Königs nicht beugen wollten, mussten sie zusammen mit fünf anderen Kollegen die Stadt verlassen.

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In der Märchenwelt, dem zweiten Teil der Ausstellung, fühlte ich mich etwas verloren. Worum geht’s hier? Wird mir nicht ganz klar. Vor mir zwei chinesische Kinder, gelangweilt oder überfordert, die auf den animierten Frosch treten, der einem entgegenhüpft, sobald man die Räume betritt. Ich ärgere mich über die Eltern der beiden. Das hier ist eigentlich keine Ausstellung für Kinder, ich jedenfalls hätte mich zwischen den dunklen Tannen aus grünen Plastikstäbchen und dem Wispern aus zig Lautsprechern gegruselt. Und die beiden hier nerven einfach. Ich ziehe mich in den Raum zurück, in dem „Rumpelstilzchen“ in 28 Sprachen auf mehreren Leinwänden erzählt wird. Auf Deutsch, Englisch, Französisch, Ungarisch, Japanisch, (…), aber auch auf Plattdeutsch und Nordhessisch. Das gefällt mir gut, ich muss viel lachen, besonders über das Hessische.

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Durch den restlichen Märchen-Teil der Ausstellung gehe ich etwas ratlos. Schaue mehr, als die Beschreibungstafeln zu lesen und denke über meine Erfahrungen mit den Märchen nach. Als Kind habe ich sie zunächst vorgelesen bekommen, die Ausgabe, aus der meine Mutter las, war aus ihrer Kindheit, bestimmt dreißig Jahre alt, der Buchdeckel war schon etwas lose. In der Adventszeit war ich in der Aula des Gymnasiums (aufregend!) im Kindertheater (noch aufregender!) und habe „Aschenputtel“ gesehen. Oder an verregneten Sonntagnachmittagen Sagaland gespielt. Oder „Cinderella“ und wie sie alle hießen, auf VHS geschaut. Als Jugendliche habe ich dann von meiner Deutschlehrerin gelernt, dass sich hinter den Märchen der Kindheit noch eine ganz andere, tiefgründige Welt verbirgt; dass man Märchen psychologisch deuten kann, dass Märchen unsere Ängste und Wünsche abbilden, sie kennen den Stoff, aus dem unsere Träume und Alpträume sind. Ob Märchen wirklich noch der letzte gemeinsame literarische Bezugspunkt in Deutschland sind, wie die Ausstellung meint, weiß ich nicht. Wenig thematisiert wird auch, wie stark Märchen im 20. Jahrhundert in Frage gestellt wurden. Immerhin sind es Geschichten, in denen sich Stiefmütter tottanzen und Hexen verbrannt werden…

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Den letzten Teil, den biografischen, durchquere ich ganz schnell. Mein Zug fährt .

Im Zug schaue ich mir die Bilder von der Zettelwand nochmal an und auch das Foto, das ich von der Wand gemacht habe, an der das Netzwerk der Grimm’schen Korrespondenz dargestellt war. Mammutprojekte und viele, viele E-Mails. Gar nicht so viel anders als Wissenschaft heute, denke ich, und schmunzle.

 

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Petunias perfekte Pinterest-Pinnwand oder: Wie Spießer aufhörten, die Hecke zu schneiden und online gingen

Den ersten Harry-Potter-Band habe ich zusammen mit meiner Mutter gekauft. Das muss 1999 gewesen sein, damals war ich neun Jahre alt. Auf meiner Ausgabe seht ihr noch den Aufkleber der Nominierungsliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis, den ich damals am liebsten abgezogen hätte. An der unteren Ecke sieht man noch meine Bemühungen, ihn von Sabine Wilharms Titel, den ich so viel schöner ohne Sticker fand, abzupulen. Er saß fest. Gott sei Dank. Sonst könnte ich heute nicht mehr beweisen, dass ich einmal im Leben früh dran war. Wenige Tage nach diesem Bücherkauf fuhr meine Mutter in geheimer Mission wieder in die Stadt und fragte im Buchladen, ob es etwas vergleichbares gäbe. Ihre Tochter sei ganz verrückt nach dem Buch. Bedaure, sagte die Buchhändlerin. Band 2 erscheine erst demnächst… And so it all began.

Wenn ich heute zurückschaue, fällt mir auf, mit welcher Akribie ich mich damals in diese Welt zwischen Ligusterweg und Winkelgasse vertiefte. Ich malte das Hogwarts-Kollegium, mit passenden Brillenformen und farbcodierten Umhängen. Ich zeichnete eine Karte des Rumtreibers mit allen Geheimgängen in meiner eigenen Schule. Fortan bemühte ich mich, nur noch auf Geheimwegen zum nächsten Klassenzimmer zu kommen. Ich schnitt alles, was ich zu Harry Potter finden konnte, aus der Zeitung aus und legte eine Sammelmappe an. Ich kaufte mir sogar einen Stern und stellte erstaunt fest, dass er neben der Titelgeschichte über Harry auch Nacktfotos von Katja Riemann enthielt. Ich ging zu Karstadt und fragte, nachdem der Verkauf eines weiteren Bandes über die Bühne gegangen war, nach der Schaufensterdekoration. Ich bekam einen riesigen Harry aus Karton, auf einem Nimbus 2000 sitzend, den ich in meinem Zimmer an die Wand hängte. Ich bastelte aus Pappmaschee einen Phönix mit 2-Meter-Flügelspannweite, der dann seinerseits das Schaufenster einer lokalen Buchhandlung schmückte. Diese Akribie entwickeln viele Kinder und Jugendliche, sie kann sich auf alles Mögliche beziehen, und wenn man Glück hat, hält sich diese tiefe Faszination für ein Thema bis ins Erwachsenenalter. Und wird dann vielleicht zu einer Doktorarbeit, die fröhlich in Breslauer Adressbüchern von 1903 blättert, um sich danach in 1902 zu verlieren.

Nicht noch einmal werde ich den Zauber dieser Jahre heraufbeschwören. Wer sie kennt – die nächtlichen Leseaktionen, in denen ich, ausgestattet mit einem Teller voll Leckereien, den meine Mutter an meinen Leseort brachte, die ganze Nacht wachblieb – dem wird alles, was ich beschreiben würde, auf seine Art und Weise bekannt vorkommen. Ich will mich lieber auf die Dinge konzentrieren, die mich, wenn ich eine ruhige Minute über Harrys Welt nachdenke, bis heute beschäftigen.

Zum Beispiel, dass ich die Verfilmungen bis heute nicht mag. Ich saß mit elf zitternd im Kino und fürchtete, die Leinwandbilder der Warners würden meine sorgsam ausstaffierte Fantasiewelt übertünchen und verfremden. Mich nervte das hässliche Merchandise und dass der Carlsen-Verlag bei Band vier den Schriftzug des Films auf dem Titelbild übernahm. Mich nervte, wie einheitlich mittelalterlich die Zauberer aussahen, ich hatte mir die modische Bandbreite des Geschmacks und Geldbeutels in der Zaubererwelt viel breiter vorgestellt. Warum gab es keine schicken Hexen in Chanel oder Männer im Karo-Pullunder? Ich war enttäuscht und bin es bis heute. Viel realistischer scheint mir die Zaubererwelt modisch in „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ zu sein, der auch sonst unterhaltsam ist und eine erwachsenere Version des Fiebers wieder aufkommen lässt.

Was mich am meisten beschäftigt, ist die Frage, wie ich die Dursleys heute zeichnen würde. Natürlich, es gibt auch heute noch genau diese Sorte von Spießer, die die keinen Humor verstehen, bei einer Bohrmaschinenfirma arbeiten, samstags die Hecke schneiden und einen verzogenen Sohn haben der andere Kinder piesackt. Aber gibt es inzwischen nicht auch andere Spießer?

Grob gesagt sind Spießer engstirnige Menschen, peinlich auf Konformität mit gesellschaftlichen Normen bedacht. Bloß nichts anders machen, bloß nicht abweichen. Dieses Bloß-alles-richtig-Machen kann in immer neuen Gewändern daherkommen. In manchen teilen Berlins wäre der heckeschneidende Angestellte inzwischen sicherlich die Ausnahme. Und darum vielleicht kein Spießer mehr. Vielleicht wäre die Petunia eines gewissen Großstadtmilieus genauso darauf bedacht, alles richtig zu machen, wie die Petunia aus dem Ligusterweg. Nur eben anders richtig. Je nach Alter eben mit Auslandserfahrung, aber irgendwie doch voll häuslich. Oder natürlich mit Erfahrung und emanzipiert, aber doch auf der Suche nach dem einen einzigen Prinzen. Mit Spaß an Super Foods und dennoch kalorienzählend. Mit selbstausbeuterischem Job, aber dem Satz „Für Politik interessiert sich bei uns ja eher Florian“ auf den Lippen. Ihr merkt, ich bediene Klischees, aber auch die Dursleys bedienen Klischees. Und wenn Du genauso sein willst, Petunia, dann bleib bitte genau so. Aber wenn Dir, wenn keiner zuschaut, das alles zum Hals raushängt, dann zwing Dich bitte nicht länger unter dieses Joch, wirf es ab. Und vor allem: Mach’ es Dir dort nicht bequem. Früher wolltest Du doch auch lieber wie Hermine sein, oder?

 

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Why ‘Toni Erdmann’ Deserved an Academy Award

On December 15th 2016, I left the cinema with a content little smile on my face. This smile was due to Toni Erdmann. I was smiling because Toni Erdmann had just joined the ranks of my all-time team of ambivalent superheroes, which includes R.P. McMurphy as well as Lisbeth Salander and many others. And I was absolutely sure that I’d always remember Toni Erdmann with a feeling that rarely occurs: The feeling that great art had been great fun. The feeling of great work effortlessly showing you something you could not have explained yourself. Toni Erdmann (by Maren Ade) is such a piece of filmmaking – and should have taken home the Oscar for Best Foreign Language Film.

Winfried Conradi (Peter Simonischek) is a divorced German schoolteacher with a knack for 7th-grade-performances, wacky humour and bizarre costumes, irritating his environment and especially his family. When Ines Conradi (Sandra Hüller), his childless thirty-something daughter, who fiercely pushes her career as a management consultant in Bucharest, returns home for her birthday, two worlds collide. The situation deteriorates when Winfried, who consideres Ines to be deeply unhappy, follows her to Romania. And it gets even worse, when he then invents „Toni Erdmann“, a “life coach” with silly fake teeth and a wig, introducing himself to the consultancy crowd (they take him for real) to get close to his estranged child again.

There are many, many obvious reasons why “Toni” should win an Oscar. Screenplay, terrific acting etc. etc. But I’ll name some different reasons why I’d give it an Oscar and why you should go and see it. Toni knows a thing or two about timing, dialogues and zeitgeist. Trust me.

It is, äh, “English”-speaking

The world Ines and her fellow consultancy friends, superiors and assistants live in, is English-speaking. Germans absent-mindedly praise their Romanian assistants in English, Germans talk to Germans in English. Toni explains his coaching strategies in English. The entire film is a friendly satire on how the business world makes use of its lingua franca. To hear and watch that is highly entertaining. Probably even more, if you’re a native speaker, ähem. So, members of  the Academy, I bet you WILL enjoy this Germanglish, just give it a try.

The film is also a sensitive portrayal of a multi-layered father-daughter-relationship. The storyline may sound like a cliché to some of you (unhappy career woman is rescued by her warm-hearted dad), but it’s not. Winfried’s „Toni Erdmann“ is a rebel in just as many ways as he is helpless and lost. Winfred’s post-68s-ideals clash with Ines’ capitalist cynicism, his playfulness with her world’s conformity. But Ines develops her own humour and superpowers. The film lets her turn the tables more than once and sympathizes with both characters equally.

It is truely European!

No, Toni will not teach you how the European Union works. He will not explicitly tell you about WWII and you won’t see lederhosen and sausages. But you will get to know a German schoolteacher who was socialized during the baby-boomer-era and his digital native daughter. You’ll see Romania and its people, you’ll see a Bulgarian lucky charm, you’ll see how extremely diverse Europe is, how living standards vary and what consultants do. You’ll see a bit of German Freikörperkultur (nudism) and Hausmusik (music played within a family circle, which is typically Whitney Houston’s “Greatest Love of All”) and this will teach you more than a trip to Rothenburg ob der Tauber.
Most importantly: After having watched Toni Erdmann, you’ll hold Europe and the Union in higher esteem and you’ll, very quietly, celebrate its diversity.

 

I have no doubt that Toni Erdmann will make you laugh and it’ll also make you think. You’ll laugh until you cry, but you’ll also feel ashamed, embarrassed, sad and lonely. You’ll enjoy and regret at the same time. Paradoxically, you’ll find unexplained and inexplicable beauty in what lies in a movie and cannot be captured in pictures.
Well, that was it. I kept my fingers crossed for you, Toni. You’re on my team anyway!
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Cinema in January

I know, I’m a little late and February has already begun (reminding me wherever I go that Valentine’s Day is coming up…), but as all these films are still in the theatres, I’ll let you know what I watched, liked and thought of in January anyway.

After having indulged in movies and cinema in December (Christmas with loads of time the relaxing feeling to be allowed to just let yourself go), the start of 2017 was, cinematically speaking, a bit thin. In almost four weeks of January, I had been to the cinema only once. Having realized the unspeakable, I took the last week in January by the full and went to the cinema – twice. Ha! The two films were very almost on the two ends of mainstream cinema, and both of them I liked. One I’ll probably buy on Blu-Ray when it comes out. And the other one was what you all expect it to be, but you can only be sure after the jump…

  1. LA LA LAND
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©2016 Summit Entertainment.

Of course, it was LA LA LAND, the musical everybody has been talking about lately. First, I was a bit put off by the cheesy trailer, but then LA LA LAND got nominated for 14 Oscars and I have to admit that this made me curios. So here we go:

Mia (Emma Stone) is a struggling actress, hurrying from one humiliating audition to another, in between serving coffee in a shop that lies, ironically, across the street from Warner Studios. Sebastian (Ryan Gosling) is a jazz pianist who has just failed to make his dream – opening a pure Jazz club in a historic site – come true. He makes end meet by playing cliché background music in snobbish restaurants. Mia and Seb (as Sebastian is sometimes called) keep bumping into each other and after several scenes of wonderfully disliking each other, they fall in love. All this happens in a swirl of singing, dancing and acting and for a while, Mia and Seb float on pure happiness: they have each and other and their dreams.

From there on (*SPOILERS*), the film explores one of its (in my opinion) main topics: Believing. In Love, in each other, and in oneself. With fresh courage drawn from Sebastian’s love support, Mia starts believing in herself again and begins to write her own one-woman-stage-play. Sebastian however pack’s up his dream and goes on tour with a popular, but in his terms, sell-out Jazz band. The question why he decides to do so, is (at least for me) an interesting one. Is it triggered by Mia talking to her mother on the phone? Does he doubt Mia really believes in him? Or does he, the man, feel obliged to protect and provide for her?

By then the film has reached its next big issue: love and ambition, true calling and real compromise, success and loss. At first glance, you could think that (just like in “Whiplash”, but way more subtle) director Damien Chazelle tells us that having a career might come with a price. But other than in Whiplash, LA LA LAND is not as simple as that. Here, it is not “love OR success“, but rather the fact that betraying yourself can lead to losing the ones you love. As soon as Seb lets his dream slip away, his relationship with Mia suffers. Spending too much time on tour is not the point, but Mia loved Seb because he believed in Jazz (Mia: “People love what other people are passionate about“). And is now betraying it and himself.

These big topics are handled in a bubblegum Hollywoodish way that is highly entertaining and self-ironic, making it possible to simply watch „LA LA LAND“ as a musical or watch a capital-M-musical making good-natured fun of musicals.

: gaudy, energetic, wilfully retro capital-M-musical with just the right amount of self-irony

Recommendation: 6.5/10.

2. Nocturnal Animals

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©2016 Fade To Black Production.

It took Tom Ford eight years to make his second film and if you ask me, he surpassed himself (and “A Single Man”) with “Nocturnal Animals” – gripping story, perfect, symbolic looks. A movie crafted by a perfectionist who thought through every detail of camera and screenplay before he started. And he even delivered the best line to describe all this in 2009: “Style always has to serve substance.” I have nothing more to say, but “Bravo.” But what do you think? Too much fashion? Too much middle-class tristesse? Or even obscene?

For those who have no idea who Tom Ford is and what “Nocturnal Animals” is about, I’d recommend not to watch the rather hysterical trailer, but read this short review by Peter Bradshaw.

∑:  a perfectionist’s masterpiece, beautiful and disturbing film, glossy to dusty noir pictures, tremendously unsettling acting

Recommendation: 9/10.

3. Die Blumen von gestern

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©2016 Four Minutes Film Productions.

“Die Blumen von gestern” ist ein deutsche Komödie (!) von Regisseur Chris Kraus, dem ich wahrscheinlich ewig dankbar für „4 Minuten” und „Poll” sein werde, zwei ganz wunderbare Filme. Das kann ich von “Die Blumen von gestern” nicht behaupten. Die Geschichte ist wie folgt: Holocaust-Forscher Toto (Lars Eidinger) steckt in einer tiefen Lebenskrise: Der Auschwitz-Kongress, den er seit Jahren mühselig vorbeireitet hat, wird an seinen größten Historiker-Konkurrenzen „Balthi“ (Jan Josef Liefers) übertragen, seine Ehe geht, auch weil Toto Potenzprobleme hat, komplett den Bach runter und dann wird ihm auch noch die französische Praktikantin Zazie (Adèle Haenel) aufs Auge gedrückt, deren Großmutter von den Nazis ermordet wurde, Totos Forschung bewundert und eine Affäre mit „Balthi“ unterhält.

Klingt ziemlich schräg und das soll es auch sein. Aber leider trifft der Film oft genug nicht die richtigen der schrägen Töne. Er gibt sich größte Mühe, in 120 Minuten quasi alle dicken Brocken zu behandeln: NS-belastete Familiengeschichte und Schuldgefühle, „vererbte“ Traumata, deutsche Erinnerungskultur und ihr Misslingen (Erstarren in Routinen), ein akademische Betrieb, in dem hinter scheinbarer Betroffenheit Karriere gemacht wird, Konzerne mit NS-Vergangenheit, die Häppchen auf dem Kongress sponsern etc. pp. Keine Dimension wird ausgelassen und damit übernimmt sich der Regisseur. Einiges ist sehr gut gelungen, wie z.B. der ätzend genaue Blick auf das Riesen-Ego mit Riesen-Komplexen der meist männlichen Wissenschaftler, die von der Angst besessen sind, mit Ende 40 in ihrem Ludwigsburger Institut versauert zu sein und darum auch Holocaust-Überlebende zu öffentlichen Vorträgen nötigen. Und einiges missling völlig, wird manchmal peinlich, wie z.B. die Tatsache, dass Totos Potenzprobleme von Zazie, der Enkelin eines Opfers mir nichts Dir nichts behoben werden, Zazie aber ansonsten blass bleibt und außer Ausrasten in diesem Film nicht viel darf. Ein Film mit Höhen und Tiefen, der keinesfalls verkrustet Erinnerungsmuster aufbricht, sondern den man sich getrost sparen kann.

: eher peinlicher Versuch, das Thema Holocaust neu anzugehen und nicht gelingt

Recommendation: 4/10.

Home cinema has been a little thin as well. Lately, I haven’t been watching enough of the good stuff that is out there. We should definitely change that it February. Instead of lousy TV shows or getting lost on the internet, I should rather opt for a good movie. There were days when I celebrated movies by getting dressed up like the characters or at least picking a suitable drink for each film. Well, but be patient with me: February is coming up. My picks in January were…

1. A Single Man

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©2008 Fade To Black Productions.

As a preparation for „Nocturnal Animals“, Science and me watched „A Single Man“, one of Science’s favourite movies. I have to say, that I was really impressed by Tom Ford’s visual language and, as in “Nocturnal Animals”, his handling of symbols. E.g., Science and me wondered what the owl that flies by the window in the end stands for. My very sophisticated reaction was, that it’s an allusion to Hegel’s owl of Minerva, the greek Goddess of wisdom, which “spreads its wings only with the falling of the dusk.” That means, improperly simplified, people only understand history when events already have happened. Only in the end (*SPOILERS*), the professor realizes, what makes life worth living, which isn’t tragic, but just the way it is. Have you found other examples of symbols etc.? I’d be interested to know what you’ve found.

So, all in all: Don’t expect a faithful depiction of a homosexual professor’s life in the Sixties, but rather an outstanding performance of a man’s loss and grief in achingly beautiful pictures.

Recommendation: 8/10.

2. Wait Until Dark

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©1967 Warner Bros.

A Thriller from 1967 with Audrey Hepburn, who plays a recently blinded wife who got married only a short time ago and is gradually terrorised by a gang of criminals, who talk her into thinking that her newly wed husband is not what she thinks he is.

Even though it turns 50 this year, the film is gripping till the last minute. The story is plotted very cleverly. I loved the film’s use of simple means of creating tension and the flat’s atmosphere of being in a studio theatre. I read in a review “The best Hitchcock Hitchcock never made” and a fully agree to that.

Recommendation: 8.5/10.

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