Listening Closely, Reading

…turning twenty-eight

Zack! Nun ist es passiert: Das erste Jahr von twenty7thirtytwo ist rum – und ich bin währenddessen 28 Jahre alt geworden.

28 ist nicht so glamourös wie 27. Aber ich hab die Tür zum „Club 27“ einfach nicht gefunden. Auch ganz schön. Denn jetzt, wo man in den Laden nicht reingekommen ist, kann man locker bis zum 90. Geburtstag weitermachen. Nicht wahr, Mister Winterbottom?

Ein Jahr twenty7thirtytwo könnte ich zum Anlass nehmen, Rückschau zu halten. Aber ich gucke lieber nach vorn als zurück. Und so hab ich für den Blog einige Ideen und Wünsche, was ich im neuen Lebensjahr anstellen könnte…

DSCF9617Lesetagebuch

Seit ich fünfzehn bin, schreibe ich auf, was ich lese und was ich von diesem Gelesenen halte. Als Jugendliche war ich mit dieser Buchführung der Bücher sehr ordentlich. In ein Moleskine notierte ich sorgfältig den Monat, in dem ich das Buch beendet habe, Autor und Titel. Meist auch, wie ich auf das Buch aufmerksam geworden war, wo ich es gekauft oder von wem ich es geschenkt bekommen hatte. Auch im Studium noch. Aus diesem Buch heraus entstand der Gedanke, Leseeindrücke online zu stellen – also das, was ihr heute unter „READING“ findet.

Letzte Woche blätterte ich in meinem Lesetagebuch von 2011. Ich war auf der Suche nach meinen Notizen zu Eduard von Keyserlings Roman „Wellen“, die ich auch fand und in denen ich genau niedergelegt hatte, was mich an Doralice, der Protagonistin des Romans faszinierte, was störte, und dass ich sie für eine Vorbotin einer kommenden Zeit hielt. Dann blätterte ich ins Jahr 2017. Und war bestürzt. Gähnende Leere seit Juli. Dabei hatte ich doch so viel gelesen. Mehr als Notizen in den Büchern und Posts auf Instagram waren aber nicht davon geblieben.

Anfang des Jahres hatte ich eifrig mit meinen monatlichen Lesebilanzen begonnen, hatte Riesenspaß dabei, mich schreibend zu erinnern – und bin dann irgendwann abgedriftet. Das soll wieder anders werden. Am besten schon im November.

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Leseliste: 28 Jahre, 28 Bücher?

Bislang ist es nur eine Idee, aber ich fänd’ es witzig, dieses Jahr achtundzwanzig vorher festgelegte Bücher zu lesen. Ohne die Bücher, die ich für meine Arbeit lese, versteht sich. 28, das würde ungefähr der Zahl der Bücher entsprechen, die ich seit November 2016 gelesen habe. Es reizt mich, mir zu überlegen, was gut in dieses Lebensalter, die Stimmung oder die aktuelle weltpolitische Lage passen würde und diese Gedanken kurz zu notieren. Auch, weil ich mich im Zweifelsfall eh’ nicht an solche Listen halte – und wild draufloslese. Aber es könnte spannend sein, die Liste in einem Jahr wieder hervorzuholen du zu sehen, was man wirklich gelesen hat – und was verworfen. Wie sich die Bücher entpuppt haben. Ob ich mit bestimmten Einschätzungen komplett daneben lag.

Wenn ich mich jetzt für 28 Bücher im kommenden Jahr entscheiden müsste, wären darunter derzeit:

  • Zeruya Shalev, Schmerz (2015), weil ich Shalevs Sprache kennenlernen will und Lust auf Seele, Gefühle und Politik habe.
  • Florian Illies, Gerade war der Himmeln noch blau (2017), weil ich Illies Art, Bildung mit Humor und Ernst zu verbinden, sehr ungewöhnlich und sehr gut finde und weil ich es geschenkt bekommen habe – und wenig Ahnung von Kunstgeschichte habe.
  • Juli Zeh, Leere Herzen (2017), weil ich herausfinden will, ob es sich als Vortragsgegenstand für einen Workshop zu „Recht und Literatur in der Krise“ eignet.
  • Alice Munro, Zu viel Glück (2009), weil ich mich an ihr in der Kunst der Kurzgeschichte schulen, und in die kanadische Provinz zurückkehren will und in den Zauber des „every-day-life“.
  • Philipp Blom, Die zerrissenen Jahre: 1918-1938 (2015), weil ich den ersten Teil als die Crème de la crème des packenden Sachbuchs verbucht habe (großes Vorbild!), den zweiten Teil schon angefangen habe und dann irgendwie davon abgekommen bin.
  • Bruno Schulz, Die Zimtläden (1934), weil es in berauschenden Bildern von einer versunkenen Welt erzählen soll, wie ich in einem sehr guten, sehr bündigen Beitrag über Bruno Schulz’ Ermordung durch einen SS-Mann im Deutschlandfunk gehört habe (http://www.deutschlandfunk.de/vor-75-jahren-die-ermordung-des-schriftstellers-bruno-schulz.871.de.html?dram:article_id=400984)

So, das wäre es erst mal. Macht ziemlich Spaß, sich das zu überlegen. Ich hatte auch mal den Hau, immer Bücher zu lesen, in denen der Protagonist genau so alt war wie ich. Zu 28 fällt mir spontan nur „Mutmaßungen über Jakob“ von Uwe Johnson ein. Das könnte auch auf die Liste.

  • Uwe Johnson, Mutmaßungen über Jakob (1959), Begründung s.o.

Kennt ihr noch weitere 28-Jährige Hauptfiguren? Dann schreibt mir unbedingt. Ich werde sammeln.

Und dann lesen wir uns hoffentlich schon Ende November wieder im Artikel “Reading in November”.

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