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Juliana Kálnay: Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

Wie viele Menschen in Deinem Mehrparteienhaus kennst Du? Zwei, drei? Und was heißt das: kennen? Vielleicht habt ihr mal ein Hausfest gefeiert, Lampions aufgehängt, im Hof gegrillt. Vielleicht spielen Eure Kinder zusammen und ihr habt Euch schon einmal einen Liter Milch bei dem Mann aus dem Erdgeschoss geliehen. Wer mietet, kennt die Menschen hinter seiner eigenen Wohnzimmerwand meist kaum.

In Haus Nummer 29, das Juliana Kálnay zum Schauplatz ihres Debüt-Romans gemacht hat, ist es ähnlich. Die Bewohner kennen sich – und kennen sich doch nicht. Genauso wird die Geschichte auch erzählt, nämlich so, als würden wir plötzlich als Geist durch Nummer 29 schweben. Es gibt keine Einleitung, keine Aufstellung wie bei Tolstoi, in der alle Hausbewohner vorgestellt werden. Genauso wie neue Mieter irgendwo einziehen und sich zurechtfinden müssen, beginnen wir Kálnays Roman zu lesen. Wir sind sofort mittendrin, haben aber keinen Überblick. Wie durch die Türchen eines Adventskalenders schauen wir in die unterschiedlichsten Wohnzimmer hinein und sehen wundersame Menschen. Es gibt die alte Rita, die schon mit ihren Eltern in Nummer 29 gewohnt hat und die Autorität des Hauses ist. Es gibt Lina, deren Mann Don sich in einen Baum verwandelt hat und auf ihrem Balkon wohnt. Es gibt das Liebespaar Bell und Toni. Es gibt die kokelnden Kinder, die in einer Grillpfanne Nacktschnecken verbrennen, den Mann, der im Aufzug geduldet wird und viele andere.

Niemand in diesem Haus jenseits von Zeit und Raum scheint arbeiten zu müssen, alle leben seltsam losgelöst von unserer Gegenwart. Im ganzen Buch taucht kein Handy auf und kein Internet, doch was noch viel weniger der Gegenwart des Zusammenwohnens in einem Haus zu entsprechen scheint: Es kümmert die Menschen, wer mit ihnen unter einem Dach lebt. Sie beobachten einander, kennen die Gewohnheiten der anderen. Dennoch strahlt der Roman nichts von Bullerbü-Romantik aus. Klar, es gibt „wollweiche Socken“, selbstgebackene Kekse und Frauen, die Marmelade einkochen. Aber Menschen verschwinden auch, sie verwandeln sich oder werden verlassen. Liebende werden eingemauert, Eltern lassen ihre Kinder allein zurück, Schwestern ihre Brüder. Es ist keine heile Welt, sondern auch eine der Gerüchte, der hastig getuschelten Treppenhausunterhaltungen, des Halbwissens und des Wegsehens (angedeutet sind Entführungen und Gefangenhalten, Missbrauch und Selbstmord). Auch um Erinnern und Kindheit als Motive geht es, denn das Haus wird es am Ende des Buches nur noch in der Erinnerung seiner verstreuten Besucher geben.

In kleinen Portionen tischt Juliana Kálnay uns Eindrücke vom Leben der Hausbewohner auf. Multiperspektivisch, nur nach Stockwerken und rechts links eingeteilt. Stets erfahren wir nur so viel über die Bewohner, wie es braucht, um sich ein Bild von den Menschen hinter dem Kalendertürchen zu machen. Ich-Erzähler und personale Erzähler wechseln sich ab. So entstehen viele übereinanderliegende Bilder von Haus Nr. 29: Jeder hat einen anderen Blick auf die Hausgemeinschaft, sieht und erlebt nur einen Teil des Hauses, kennt andere Menschen und immer nur Teile der Geschichte. Kálnays Sprache ist vielseitig, auf eine ruhige Art farbig. Sie kann die Heimeligkeit eines Mikrokosmos ausstrahlen, doch auch etwas hinter den Wänden lauern lassen. Ihre Sprache experimentiert mit den unterschiedlichen Sprechweisen der Bewohner: Kinder, Jugendliche, Alte, einfache Gemüter, und dieses Ausprobieren scheint ihr großen Spaß zu machen. Zusammen mit den verwunschenen Bildern und aus der Zeit gefallenen Personen entsteht eine andere Realität, ein Haus wie eine Welt, die aus Traum, Absurdität, Ängsten und Erinnerungen gesponnen ist, sich weiterspinnt – und dabei unserer Welt sehr ähnlich sieht. Doch in Nummer 29 entpuppt sich das scheinbar Bekannte als das größte Rätsel.

Kálnays Roman ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes: kunstvolle Montagetechnik wirkt hier mühelos, der Leser folgt dem Absurden gern und ohne Widerwillen, lässt sich ganz auf das Haus ein. Juliana Kálnay ist 1988 geboren, wohnt derzeit in Kiel und hat Literarisches Schreiben an der Uni Hildesheim studiert. Bewusst und transparent wird in einem kleinen Nachwort außerdem auf die Autoren verwiesen, die Kálnay als Anregung gedient haben, Julio Cortázar ist darunter und Jenny Erpenbeck. „Eine Chronik des allmählichen Verschwindens“ ist ein anregendes, ungewöhnliches Buch. Es setzt nicht auf die psychologische Ergründung seiner Figuren, sondern zeigt sie und Ausschnitte ihrer Lebenswelt. Das Rätselhafte ist dabei nichts, was aufgelöst werden müsste, vielmehr wird es angenommen. So, wie man eben auch in einem Haus lebt: als Teil eines Organs, das man nicht ganz erfassen kann. Ich bin gespannt, in welche Welt uns die Autorin als nächstes entführt.

Juliana Kálnay, Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens”, Verlag Klaus Wagenbach, 192 Seiten.

Mein herzlicher Dank gilt dem Klaus-Wagenbach-Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zukommen lassen hat.

 

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Anna Katharina Hahn: Kürzere Tage

Wenn endlich alles in Ordnung ist, wenn Du Dein Studium abgeschlossen hast und jetzt einen Job hast, einen Mann geheiratet hast, eine vernünftige Wohnung und zwei süße kleine Kinder hast, denen Du hübsche Namen gegeben hast und sie Du mit Bio-Äpfeln fütterst, dann könnte es sein, dass Du statt eines Lebens ein Gefängnis eingerichtet hast. Dass Du hasst.

Stuttgart, Westen, Constantinstraße. „Braungelbe Sandsteinhäuser wölben ihre verzierten Fassaden nach vorn wie frische Brote und Kuchen.“ Ein Akademikerbezirk im Schwabenländle. Das ist die Welt von Judith, X und Luise. Drei Frauen, um die Anna Katharina Hahn ihren Roman von 2009 wie eine scharf beobachtende Drohne kreisen lässt.

Zum einen haben wir Judith, die eigentlich Jutta heißt, ihren Durchschnittsnamen aber gern etwas Exotik verleihen wollte. Judith lebt den Ökö-Traum: Zwei Söhne mit rosigen Wangen und stämmigen Beinchen, Uli und Kilian, einen Mann (Klaus, nett, Professor für Maschinenbau) im Unibetrieb beschäftigt. Zusätzlich geben Rudolph Steiners strenge Regeln auf pastellfarbenem Papier und der Jahreszeitentisch Rhythmus und Sicherheit. Arbeiten geht Judith nicht, der enttechnisierte Haushalt, die Abendsuppe und ihre Kinder sind Aufgabe genug und damit kann sie sich auch von den anderen bösen Gedanken ablenken, die immer mal wieder kommen: von den dunklen Uni-Jahren im Stuttgarter Osten, Panikattacken vor Kunstgeschichte-Referaten, den Drogen, der zermürbenden Affäre mit Sören aus Tübingen, der nicht abgeschlossenen Examensarbeit über Otto Dix. Wenn die Gedanken zu schlimm werden, raucht Judith heimlich oder nimmt eben eine Beruhigungstablette.

In der Wohnung gegenüber, auch auf die Constantinstraße, wohnt Leonie, 5 Jahre jünger, auch verheiratet, zwei süße Mädchen, Karrierefrau. Ihrem Mann Simon, aus dem Hohenlohischen („Schwabenbronx“), musste sie erst die Sozialcodes beibringen, jetzt arbeitet Simon verbissen bis spät abends, um die viel zu große 8-Zimmer-Wohnung im Stuttgarter Speck bezahlen zu können. Damit hat er Leonie, die auf hohen Schuhen und in die Bank stöckelt, quasi zur Alleinerziehenden gemacht. Abends plagt sie beim Blick in die Idylle von Judiths Wohnzimmer das schlechte Gewissen.

Suhrkamp-Verlag: “Muster­mütter und Karrie­­refra­­uen, Euryth­­mie und Hyster­­ie, Allein­­erzie­­hende­­ und Proble­­mkind­­er, Wohlst­­and und Verwahrlosu­­ng.”

Und dann gibt es da noch Luise Posselt. Gemeinsam mit ihrem Mann Wenzel (er Flüchtling, sie Schwäbin, Ehe geschlossen um 1945) lebt sie im Erdgeschoss unter Judith. Ihres körperlichen und geistigen Verfalls ist Luise sich bewusst. Sie weiß, dass Judith sich vor ihr ekelt, ihre Kinder am liebsten nicht bei ihr spielen lassen will. Dennoch ist Luise in dem Buch die einzige, die weiß, wie das geht: leben. Nicht: Leben inszenieren.

Bürgerliche Karrieresucht, Überbietungskampf, selbsterzeugter Druck, das sind die Themen des Romans. Es geht um Optimierungswahn, hier in seiner weiblichen Spielart, um mühsam gebastelte und mühsam unterhaltene Identitäten von Frauen in einer Zeit, in der sich alle Selbstverständlichkeiten aufgelöst haben. Es geht um das enge Weltbild, an dessen Ränder sich scheinheilig tolerante Akademiker schnell stoßen, wenn eine alte Frau Bonbons mit „Industriezucker“ (wo sollte er auch sonst herkommen) zusteckt und das Wegschauen und Weghören, das es braucht, um eine Idylle aufrechtzuerhalten. Dabei urteilt Hahn nicht über ihre Figuren, auch wenn sie eine Haltung zu ihnen hat und beißende Ironie. Die größte Stärke des Buches ist die in Sprache gegossene Beobachtungsgabe für „die feinen Unterschiede“.

Ich empfehle das Buch allen, die sich an einem kritisch-genauen Blick auf ein kleines Stück Erdoberfläche erfreuen können. Es passt zur ganzen twenty7thirtytwo-Suche nach Identität ganz wunderbar. Es beschreibt das Dilemma junger, gut ausgebildete Frauen, die nicht mehr wissen, wie das geht: einfach leben. Unglücklich mit der eigenen Lebenswirklichkeit, überfordert von den eigenen Ansprüchen, neidisch auf die, die es (scheinbar) besser hinkriegen und arrogant gegenüber denen, die nicht so viel hinterfragen (konnten), aber trotzdem glücklicher leben. Quintessenz des Hahn’schen Romans: Wer sein Leben inszeniert, lebt nicht.

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Reading in February

February is – for sure – my least favourite month of the year. Even though two close friends have their birthdays in February. Carnival season doesn’t mean anything to me. The long winter is tiring me and in February, it’s always the worst. Since October, the weather in Berlin has been constantly grey, chilly or cold, rainy or hazy; I’ve been wearing a jacket that looks like a duvet, making me look like the Michelin-Man. I’ve had five colds and I haven’t recovered from the last yet. So, February in Germany is a mess.

However, it was touching to see people, deficient in vitamin D, crawling out of theirs burrows as soon as the first rays of sun come out. You can really feel their and your own longing for light, spring and warmth. The sun blinds you, you quint your eyes, it tickles your face and for a moment, you blindly gaze into the sun with your eyes closed – until the S-Bahn comes or the next best cloud is pushed across the sun.

But a month of bad weather and bad health gives you enough time to read. In February, I finished Thomas Glavinic’s “Die Arbeit der Nacht” (Englisch title is “Night Work”) and after this demanding novel, I chose only entertaining and light reading. When I say “light”, I don’t mean shallow. I think it’s an art in itself to write a book that makes its reader turn pages, laugh out loud and is still melancholic and observant, moving you. Very few books can do that to me. 80% of what lies around at Hugendubel, just makes me choke. But with these three books, it was different. I’d recommend them especially as presents. Almost everyone who read those three books enjoyed them… Maybe it’s because the books are all in a way simple, but nevertheless observe childhood, family and everyday topics realistically, not through rose-tinted glasses.

But, enough of complaining about bad weather and cheap tricks: here’s what I read in February… [Sorry, the first review is, for whatever reason, in English, even though I read the book in German and Thomas Glavinic is Autrian. Just scroll down to the next two reviews, I switched back to German there. You find more on language in the “About”.]

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1. Thomas Glavinic: Night work

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On Thomas Glavinc’s “Night work”, I almost broke a tooth. Generally, I consider myself a quite a persistent reader. I normally don’t put aside books which seem taxing to me. In case of “Night work” yet, I was more than once on the verge of returning it to my mother who had lent it to me. It was hard to stick to it, but I assume, that was part of Glavinic’s plan.

However, the novel’s scenario is a gripping one. It resembles a constellation you may know from nightmares or daydreaming: Jonas, 35 years old, male, furniture salesman, with a girlfriend called Marie, wakes up one day, goes to the bus stop, waits for the bus a little too long – and finds the world empty. No cars, no radio, TV, no Internet, no one picks up the phone. Not even birds chirping or flies buzzing. Jonas comes to realize he’s the last living creature on earth.

This setting reminded me of my beloved “The Wall” (“Die Wand by the Austrian author Marlen Haushofer from 1963): What would it be like to be the last human on earth? Glavinic radicalizes this experiment as all animals are gone from Jonas’ world.

At first, Jonas looks for people, keeps driving around Vienna, searching for others and the solution to his strange situation. To improve his chances of tracing down someone, he installs cameras around the city. Then, he starts looking for answers within himself. He begins recording his sleeping self, who seems to be doing disturbing actions at night: Jonas wakes up and a knife is stuck in his bedroom wall. Or: Jonas decides to look for Marie, who is supposed to be in England with relatives. He drives 700 miles, and then takes a rest, only to find out that his sleeping self sabotaged his plans and drove back the entire distance. Of course, the reader desperately wants to find out what happened to the rest of the earth’s population and who will win: Jonas or the sleeper.

“Who am I if nobody is watching me?”

Glavinic doesn’t answer our questions. Maybe he can’t solve the experiment he set up himself. What is brilliant about Glavinic’s writing is ability to manipulate and unsettle the reader. Glavinic forces you to deal with the same insecurities Jonas has to face. So, the reader keeps wondering: “Did the narrator tell me that Jonas stopped and looked into the trunk’s car? Or am I only making this up?” I was constantly leafing backward and forward through the pages to find out whether I was right about what had just happened. The story confronts the reader with big and yes, philosophical questions: “Who am I if nobody is watching me?” or “What do things do, if nobody is there watching them? Do they change positions? Alter their looks?”

Call me simplistic, but I thought Glavinic should have delivered more hints to what happened to Jonas. Now, it just seems to me like an experiment which the author lost his interest in. But maybe I just missed something while I was trying to read too carefully. Just like it happens to Jonas all the time…

Und jetzt auf Deutsch, bitte

Die drei nächsten Bücher, nämlich Robert Seethalers „Ein ganzes Leben”, Matthias Brandts „Raumpatrouille” und Joachim Meyerhoffs „Alle Toten fliegen hoch. Amerika” sind natürlich drei ganz unterschiedliche Bücher. Was sie aber eint: Sie sind zum Verschenken geeignet. Nicht dass ich meine weggeben wollte, aber ich habe Joachim Meyerhoff schon mehrmals und an ganz unterschiedliche Leute verschenkt. Die Themen, um die es in allen drei geht – grob gesagt: einfaches, entbehrungsreiches aber schönes Leben (Seethaler), ein realistischer, liebevoller, dennoch sehr genauer und nie geschönter Blick auf Familie und Erwachsenwerden (Brandt und Meyerhoff) sind vielleicht solche, an die jeder Erinnerungen hat.

2. Matthias Brandt: Raumpatrouille

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Brandts „Raumpatrouille“ besticht vor allem durch die trockene Sprache, mit der sich ein reflektierter Erwachsener an das staunende, gewöhnlich-außergewöhnliche Kind erinnert, dass er in den 1970er Jahren war. Dieses Kind wächst in einer Familie auf, die so durchschnittlich wie andersartig ist. Durchschnittlich, was die Kleidung, Ausstattung und Wünsche des Kindes betrifft, denn das sind in den späten 60ern und frühen 70ern in West-Deutschland eben Neil-Armstrong-Kostüm, Bonanza-Fahrrad und Wim Thoelke. Und sehr anders, weil die Mutter des Kindes Norwegerin und der Vater des Kindes Bundeskanzler ist. Diesen normalen Wahnsinn – Fahrradausflug mit Herrn Wehner, einen Jahrmarktsbesuch wie eine Verfolgungsjagd, erst Fluchtphantasien, dann Reue und Heimweh – beschreibt Brandt so warmherzig, wie ehrlich und ungeschönt. Ein Schatzkästlein der Kindheit, ganz ohne Sentimentalitäten, dessen Geschichten wie Unikate (die Eichelhäherfeder, das Katzengold, die Muschel) in Erinnerung bleiben werden.

3. Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

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Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“ ist eine schöne Geschichte mit einem winzigen bisschen Kitsch, die man an einem Nachmittag, z.B. wenn man krank im Bett liegen muss, austrinken kann wie ein Glas heiße Milch mit Honig.

Andreas Egger, geboren am Anfang des 20. Jahrhunderts, kommt als Kind zu seinem Onkel in ein österreichisches Alpental, in dem er sein ganzes Leben verbringen soll und ebendort auch siebzig Jahre später sterben wird. Eggers Leben ist vorgezeichnet, seine Herkunft bestimmt, wer er werden wird. Nie wird er darüber nachdenken, was er sein könnte, werden könnte, aus sich machen könnte: Egger ist. Er lebt. Es wird ein arbeitsreiches, unfaires, entbehrungs- und verlustreiches Leben werden, das den meisten Leser sehr weit entfernt vorkommen mag. Egger ist ein stoischer Charakter, der hinnimmt, erträgt, keine Wut spürt und keine Rache kennt, weil er mit seinem täglichen Leben schon genug zu tun hat und auch, weil er sich selbst nicht so schrecklich wichtig nimmt.

Zu Eggers Charakter passt Seethalers klare, ruhige Sprache, in der Verluste, Kriege, Ungerechtigkeiten nie dramatisch dargestellt werden, sondern einfach passieren. So kommt es, dass von dem Buch eine Ruhe ausgeht. Verstärkt noch durch Kulisse des Romans: Der Mensch verändert die Natur zwar im Laufe der Zeit, schlägt Schneisen in den Wald, baut Seilbahnen und Straßen, doch die Natur erweist sich als stärker. So hat Seethaler einen Roman geschaffen, der auf eine sehr unaufgeregte Art und Weise einen Typus Mensch zeigt, der sein Schicksal auf sich nimmt und keine Ansprüche stellt und vielleicht gerade deswegen so viel Anklang findet.

Und Meyerhoff gibt’s im März-Rückblick, ich fand ihn nämlich so klasse, dass ich gleich noch “Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke” hinterher gelesen habe. Das war’s für heute von mir … im Märzen der Bauer… bis bald.

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