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Valentine’s Day For Everyone: Best Non-Classic Love Stories Part I

Was man von Valentinstag halten soll? Ich weiß es nicht. Tinnef, sagen die einen. Eine Erfindung von Fleurop und Feodora. Und wenn man gerade niemanden hat, den man Herzallerliebste oder –liebsten nennt und darauf an jeder Straßenecke hingewiesen zu werden scheint, kann Valentinstag eine unangenehme Angelegenheit sein. Ich weiß, wovon ich spreche. In meiner Schule wurden am 14.2. anonyme Rosen versendet. Oberstufenschüler überbrachten sie und Wetten liefen, wer wohl von wem eine Rose geschickt bekommen würde. Viele Leute in der Klasse gingen leer aus. Auch ich. Allerdings bekam ich einmal, ich war vielleicht 16, einen Kaktus geschenkt. Seitdem kann ich diese Stachelwesen ganz gut leiden.

Wenn man gerade mit jemandem in den siebenten Himmel hineintanzt, kann der Tag – ich sag’s zwischen zusammengekniffenen Lippen – ganz schön sein. Noch eine Gelegenheit mehr, sich Gedanken zu machen, worüber der andere sich wohl freuen könnte und dann schönsten Unsinn zu schenken. Ein Mixtape. Den ausgedruckten SMS-Verlauf vom letzten Jahr. Selbstgemachte Pralinen, die zu einer Art Mega-Rumkugel zusammengebacken sind und zu stark nach Bayley’s schmecken. Oder Berliner Currynüsse und Kinokarten. Oder einen Kuchen. Bei der Gelegenheit könnte man Oma anrufen und fragen, wie ihrer eigentlich geht.

Egal, ob ihr am 14.2. Rosen, Kakteen oder pure Ignoranz erwartet, Liebe ist sicher ’n bisschen mehr als Valentinstag. Sie ist bekanntlich eines von zwei Themen der Literatur und einfach nicht totzukriegen. Liebe in der Literatur ist mehr als die rosafarbene Valentinstags-Liebe: Sie kann wunderschön sein, aber vergänglich, sie kann bitter enden oder unerwidert bleiben. Sie kann brennen und erlöschen, manisch sein oder metaphysisch, erotisch oder platonisch, verrannt, verkracht, vertrackt, unmöglich, illegal, obszön oder gefährlich.

Den Valentinstag habe ich zwar zum Anlass genommen, aber meine Lieblingsbücher, in denen es um Liebe geht, sind weder rosa noch aus Zucker. Klassiker hab’ ich weggelassen, die kennt ihr aus’m Deutschkurs oder von der ZEIT-Liste der 100 Bücher. Ich habe meine liebsten Liebesgeschichten für ganz unterschiedliche Situationen, Lebensalter und Lesertypen rausgesucht. Alle Bücher sind 10 von 10 Sterne-Empfehlungen, darunter mach ich’s heute nicht. In Teil 1 habe ich nur Werke unter 200 Seiten herausgesucht (oder ein schnell zu lesendes Jugendbuch mit 300…), mit guten Plots und präziser Sprache. Die ersten drei seht ihr nach dem Sprung…

Los geht’s.

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1. Mats Wahl: Winterbucht, Beltz & Gelberg, 304 Seiten.

John-John und Fighter sind gerade 18, sie klauen, knacken Autos und träumen von einem Leben auf der anderen Seite der Winterbucht, wo die Häuser der Reichen stehen und schöne Mädchen wohnen. Doch als John-John an der Schauspielschule angenommen wird und Fighter keine Lehrstelle bekommt, werden sich die beiden fremd. Und dann gibt es noch Elisabeth, die wohlstandvernachlässigte Verführerische, die mit John-John die Schauspielschule besucht…

Auch wenn die Protagonisten noch Teenager und die Gefühle in ihrer Intensität sicher adoleszent sind: Hier werden Fragen gestellt, die wehtun. Fighter wird Neonazi, John-John lügt, Elisabeth manipuliert. Keiner der so angelegten Konflikte ist eindeutig, kein Charakter eindimensional, nichts huldigt der Twilight-Enthaltsamkeit. Mats Wahls Geschichte ist schwedischer Realismus pur. Es geht um pubertäre Sehnsüchte, um Lust, Gewalt, Hass, Freundschaft und eben – Liebe.

Sprachlich besticht das Buch durch glasklare, knappe, im besten Sinne skandinavische Sprache. Mats Wahl ist ein scharfer Beobachter alltägliche Verhaltensweisen, der seine Leser lehrt, zwischen den Zeilen zu lesen und hinter die Masken zu blicken, die die Figuren sich aufgesetzt haben. Die fesselnden Dialoge sind lebensnah und geben mehr von den Sprechern preis, als direkte Beschreibung es könnte.

Geeignet für: Jugendliche ab 14 und alle, die noch einmal Lust auf die Atemlosigkeit dieser Jahre haben und schnell in eine vielschichte Erzählung eintauchen wollen, ohne ein halbes Jahr für die Lektüre zu brauchen.

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2. Siegfried Lenz: Schweigeminute, Hoffmann und Campe, 128 Seiten.

Lenz’ „Schweigeminute“ ist eine feine, wohltemperierte Novelle und melancholische Liebesgeschichte. Sie konzentriert sich ganz auf die Beziehung zwischen Stella, der Englischlehrerin und Christian, ihrem Schüler, die sich in einer Kleinstadt an der Ostsee vor vielen Jahren ereignet hat.

Hinter jedem Satz dieser stark verdichteten, zügig erzählten Novelle schimmert Lenz’ Lebenserfahrung, seine Menschenkenntnis und sein großes Einfühlungsvermögen in seine Protagonisten. Es ist wunderbar dabei zu sein, wie aus zufälligen Begegnungen, Bemerkungen und Berührungen eine zarte und für Christian wahrscheinlich erste Liebe wächst, die ihm heilig ist und doch nicht sein soll.

Lenz deutet nur an, hält sich zurück und traut seinem Leser zu, diese Leerstellen ausfüllen zu können. Aus dem kleinen Band weht dem Leser eine frische, salzige Brise entgegen, meisterhaft hat Lenz die Wetter- und Lichtverhältnisse der See darin eingefangen, ebenso wie die Atmosphäre von vergangenem Englischunterricht mit „Animal Farm“ und grüner Tafel.

Geeignet für: Leser, die sachlich-leise Töne mehr als die große Geste schätzen, dennoch Salz auf den Lippen schmecken wollen und nichts gegen verhalten-nostalgische Melancholie haben

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3. Markus Werner: Am Hang, S. Fischer, 190 Seiten.

Wir sind in der Schweiz. Ein junger Rechtsanwalt, Single, smart, Lebemann (genannt Clarin) fährt übers Wochenende nach Agra, um in der Ruhe des Tessins einen erbrechtlichen Aufsatz zu verfassen. Zum Abendessen begibt sich in ein Restaurant. Doch auf der Hotelterrasse sind alle Tische belegt. Schließlich spricht er einen untersetzten 50-Jährigen (namens Loos) an, ob er sich setzen dürfe. Die beiden kommen ins Gespräch. Loos ist Altphilologe, nachdenklich, schwermütig, der sich noch über ständiges Handypiepsen (als Zeichen einer aus den Fugen geratenen Welt) erregen kann. Clarin ist fasziniert von seinem andersartigen Gegenüber.

Aus dieser denkbar simplen Konstellation und über den Zeitraum eines Juni-Wochenendes entwickelt Markus Werner eine Art kriminalistisches Kammerspiel, in dem Loos und Clarin, die diametral entgegengesetzte Ansichten von Moral und Liebe haben, ihre Positionen verhandeln, neugierig auf die Sicht des anderen sind und immer tiefer in das Leben und die Gedanken des Gegenüber eindringen, bis sich schließlich eine Spannung aufgebaut hat, die sich, wie ein Sommergewitter, langsam zusammenzieht und in einem Knall entladen wird.

Das waren drei meiner liebsten Liebesgeschichten, morgen gibt’s die nächsten drei. Was fehlt Eurer Meinung nach noch? Was ist eine richtig gute, nicht klassische Liebesgeschichte? Ich freu mich auf Eure Vorschläge in den Kommentaren, in einem eignen Post oder auf Instagram! Bis morgen!

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